ÖM Zeitfahren 2017

Zeitfahren?! Wie bitte? Eigentlich ja überhaupt nicht mein Ding, aber das Einzelzeitfahren bei den  Österreichischen Meisterschaften der Amateure beschäftigte mich seit Anfang Juli mindestens genauso intensiv wie  meine aktuell eigene Vorbereitung auf den „Ötzi“.

Doch wie kam es dazu? Ende Juni trat Felix Hermanutz aus unserem Team an mich heran, mit der  Bitte, ihm bei der Trainingsplanung im Hinblick auf die Österreichischen Meisterschaften am 6. August unter die Arme zu greifen.  Aufgrund einer 2-wöchigen wohlverdienten „Trainingspause“, die er sich zum Feiern seines erfolgreichen Maturaabschlusses gönnte, stellte dies natürlich eine anspruchsvolle, aber durchaus auch spannende Aufgabe dar. Vor allem aufgrund des krassen Gegensatzes zu meiner eigenen aktuellen Trainingsgestaltung war ich von Beginn an begeistert von diesem neuen „Projekt“ und machte mich gleich voll motiviert an die Arbeit.

Ausgangssituation und Voraussetzungen

Zu Beginn hieß es natürlich erst einmal alle wichtigen Faktoren abzuklären, die im folgenden Monat von Bedeutung für das Training sein sollten.

Rahmenbedingungen

Trainingsstart sollte der 10.07.2017 sein und somit blieben also genau 27 Tage Zeit, um die zurückliegenden Eskapaden vergessen zu machen und die richtigen Reize zu setzen, um Felix in rechtzeitig in Topform zu bekommen.
Das zeitliche Budget war aufgrund eines Ferienjobs auf den Vormittag begrenzt. Dies sollte aber kein Problem darstellen, denn bei einer geschätzten Wettkampfdauer von 30 Minuten spielt eher die Qualität der Einheiten, als die Quantität, die entscheidende Rolle. Im Nachhinein kam Felix auf einen überschaubaren Trainingsumfang von 12h/Woche.

Strecke

Die zweite entscheidende Komponente war nun möglichst viele Informationen über den zu absolvierenden Kurs in Erfahrung zu bringen.
– Länge?
– Profil?
– Höhenmeter?
– Weitere Besonderheiten?
Um so ein möglichst präzises Bild zum Anforderungsprofil des Wettkampfes zu bekommen und dadurch die Trainingsinhalte genau darauf abstimmen zu können.

Aktueller Leistungszustand

Zum Abschluss mussten wir natürlich noch den aktuellen Leistungsstand von Felix bestimmen, um die Intensitäten für die verschiedenen Trainingssessions festlegen zu können.
Hierfür absolvierte er einen möglichst wettkampfspezifischen Test (Profil, Dauer, Material….), der dann in der Woche vor dem Wettkampf wiederholt werden sollte. Dies gab uns einerseits die Möglichkeit, die erzielten Fortschritte aus dem Training zu erfassen und andererseits, was viel entscheidender war, einen Anhaltspunkt für die im Wettkampf mögliche Pace zu haben.

Trainingsplan

Der grundlegende Aufbau des Trainingsplans gestaltete sich dann folgendermaßen.

Trainngsplan Aufbau ÖM Zeitfahren 2017

Ergebnisse

Schon während der Trainingsphase konnten wir die Intensitäten sukzessive steigern. Hier galt es neben der genauen Analyse der einzelnen Sessions vor allem die Rückmeldungen von Felix zu berücksichtigen, um den Plan in regelmäßigen Abständen zu „aktualisieren“. Der Trend (Leistungswerte und Feedback) zeigte klar in die richtige Richtung und alles deutete daraufhin, dass das Training Wirkung zeigte.

Die Bestätigung dafür lieferte Felix dann einerseits bei einem Testwettkampf in Form eines Bergzeitfahrens und auch beim abschließenden Test konnte Felix jeweils seine Bestleistungen deutlich steigern. Vor allem die Werte des 30minütigen Tests waren, wie schon erwähnt, extrem nützlich, um im Anschluss eine realistische Vorhersage für die optimale Wettkampfpace treffen zu können.

Testergebnisse ÖM Zeitfahren 2017

Tag X – Österreichische Meisterschaften

Nach den positiven Ergebnissen der Tests, war ich natürlich gespannt, ob Felix seine Form im Wettkampf auch umsetzen konnte. Als am Sonntagmittag dann mein Handy klingelte und er mir seinen erzielten 3. Platz verkündete, nur geschlagen von zwei absoluten Kalibern der Amateurszene, war ich wirklich glücklich und auch ein bisschen stolz, meinen Teil zu seinem Erfolg beigetragen zu haben. Denn mit seiner Zeit hatte er einige richtig starken Konkurrenten hinter sich lassen können .

Da ich selbst nicht live dabei war, gibt’s zum Abschluss ein kleines Interview mit Felix, in dem er uns einen kleinen Einblick zum Wettkampf und dem zurückliegenden Monat gibt.

Markus: „Gleich zu Beginn herzliche Gratulation zu deinem sensationellen Ergebnis! Wie geht es dir momentan? Bist du zufrieden mit deiner Leistung?“

Felix: „Natürlich bin ich voll zufrieden!! Ich konnte mein volles Leistungspensum abrufen und habe alle meine Ziele mehr als erreicht!”

Markus: „Wie lief der Renntag ab? Vielleicht kannst du uns einen kleinen Einblick in deinen Wettkampftag geben? Wie sah es mit deiner  Gefühlswelt vor, während und nach dem Wettkampf aus?“

Felix: „Schon 2 Tage vor dem Wettkampf war ich ziemlich nervös. Ich wusste zwar, die Form sollte passen, schließlich habe ich dank deines Trainingsplans wirklich gut trainiert. Trotzdem hatte ich natürlich keine Ahnung, wie ich gegenüber der Konkurrenz dastehen würde.
Am Wettkampftag verlief das Aufwärmen dann etwas kürzer als es am Plan stand (habe die Zeit bisschen übersehen) – aber egal!
Beim Start wurde mein Rad wie befürchtet nicht sofort abgenommen und ich musste meinen Aufleger 2cm zurückschrauben. Naja, mit sowas hatte ich schon gerechnet und hatte zum Glück alles zum Umschrauben dabei und so ging das relativ fix.
Beim Rennen dachte ich am Anfang nur an deinen Satz:”Bloß nicht zu schnell anfangen!” Somit hab ichs dann, wie geplant “gemütlich” mit 380 Watt zur Wende rollen lassen und griff beim Zurückfahren voll an. Summa summarum dürfte ich alles richtig gemacht haben!”

Markus: „Allerdings! Mit solch einem Ergebnis musst du vieles richtig  gemacht haben! Hast du denn deine aus den Tests und Trainingseinheiten gewonnenen Erfahrungen zum Pacing  im Wettkampf umsetzen können?“

Felix: „Ja definitiv! Wie bereits zuvor erwähnt, hielt ich mich diesmal zu Beginn bewusst zurück und vermied somit, dass ich zum Schluss wieder eingehe. Im Gegenteil ich konnte sogar zum Schluss nochmal richtig aufs Gas drücken!
Außerdem bin ich nach diesem Monat echt gewöhnt, dass meine Füße brennen, als würden sie in Flammen stehen!”

Markus: „Wenn du zurückschaust auf den letzten Monat. Wie würdest du das Training beschreiben? Gab es positive oder negative Aspekte, die für dich komplett neu waren? Wenn ja welche Erfahrungen nimmst du für dich selbst mit?“

Felix: „Im Training kam mir schon immer wieder mal die „Sinnfrage“: „Warum tu ich mir das an?!” Aber ich hab nach jedem Trainingsblock eine konstante Leistungssteigerung erlebt und war somit durchgehend sehr motiviert! Besonders zu erwähnen sind, denke ich, die beiden Rolleneinheiten aufgrund des schlechten Wetters, die waren echt schlimm und brachten mich fast zur Verzweiflung! Besonders gut hat mir während des Monats die Kommunikation zwischen uns beiden gefallen. Du hast immer gewusst bzw. nachgefragt, wie‘s mir geht und hast so die Trainingsgestaltung je nach meiner Befindlichkeit angepasst, um so das Optimum herauszuholen.”

Markus: „Vielen Dank für das Lob. Hast du evtl. Verbesserungsvorschläge oder Anregungen zur Zusammenarbeit?

Felix: „Ich würde dir gerne konstruktive Kritik geben, weil ich grundsätzlich denke, genau diese bringt einen weiter, aber momentan habe ich leider keine! Du hast definitiv keinen Fehler gemacht und es war eine Freude mit dir zusammen zu arbeiten!”

Markus: „Dazu muss ich aber auch sagen, dass es aufgrund deiner Motivation mir auch wirklich Spaß gemacht hat, zu versuchen,  das Beste aus den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten herauszuholen. Hast du sonst noch irgendetwas, was du zum Training sagen willst?“

Felix: „Es war hart! Aber auch lustig und emotional. Emotional in dem Sinn, jeden Tag die Intervalle durchzubeißen, um anschließend ein Erfolgserlebnis nach dem anderen zu genießen!”

Markus: „Wie sehen denn nun deine weiteren Saisonplanungen aus?“

Felix: „Jetzt freue ich mich sehr auf die „Race Around Team Challenge“, die von Mittwoch auf Donnerstag stattfinden wird und anschließend möchte ich nochmal zwei intensive Monate in Richtung „King of the Lake“ investieren. Ich hoffe, ich kann dafür wieder auf deine kompetente Unterstützung zählen?!“

Markus: „Ja, wenn du wieder so bereitwillig und erfolgreich meine Trainingsvorgaben umsetzt, sehr gerne. Zum Abschluss nochmal herzliche Gratulation zu deinem tollen Ergebnis und ich hoffe, wir können uns nach deinem zweiten Saisonhighlight am Attersee nochmal über ähnliche Trainingserfolge freuen!“

Felix: „Ich bedanke mich nochmal für deine Zeit und dein Engagement –  ohne dich wäre der heutige Erfolg nicht möglich gewesen!“

 

Ergebnisliste:

http://my3.raceresult.com/77718/#0_E9925C

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