Glocknerkönig 2017

Der Glockner, mythisch, legendär und wohl für jeden Rennradfahrer, egal ob Hobby oder Profifahrer, ein Anstieg, der fasziniert. Die Straße, die sich ab der Mautstation mit durchschnittlich 10% über fast 13km gen Himmel windet, gilt als eine der schönsten und zugleich härtesten Prüfungen, die man mit dem Rad auf sich nehmen kann. Kein Wunder also, dass sich jedes Jahr Anfang Juni beim Glocknerkönig ca. 2000 Sportler der Herausforderung stellen und auch für mich stand mit dem berühmten Bergrennen das erste Highlight der Saison auf dem Plan!

Die Vorbereitung

Nachdem ich hier schon im letzten Jahr mit dem 9ten Platz ein richtig gutes Ergebnis einfahren konnte, war das Ziel für dieses Jahr natürlich klar: Schneller als letztes Jahr sein! Eine Platzierung als Ziel auszugeben, wäre bei der „Bergspezialistenprominenz“, die sich am Glockner jedes Jahr die Klinke in die Hand gibt, wohl etwas zu vermessen gewesen.

Die letztjährige Auffahrtszeit ab der Mautstation betrug 53:26 mit einer Leistung von NP 281W. Die zusätzlich gemessene Zeit von Bruck bis Ferleiten, ist sehr abhängig vom Wetter (Wind) und der Lust des Feldes, schnell zu fahren – spielt also eine eher untergeordnete Rolle. Ziel war es also, die die 53:26 aus dem Vorjahr zu knacken!

Um dieses Ziel zu erreichen, wollte ich mich dieses Jahr etwas akribischer auf dieses Monster von Anstieg vorbereiten. Einerseits wollte ich im Rahmen meiner finanziellen Möglichkeiten vielleicht noch das ein oder andere Sekündchen am Material einsparen, aber der Fokus lag ganz klar beim Training, in dem ich mich mit gezielten Einheiten an die Höhe gewöhnen bzw. meine Pacing Strategie aus dem Vorjahr noch zu optimieren versuchte.

Vor allem mit Intervallen bei Wettkampfgeschwindigkeit in der Höhe erwartete ich mir einiges an Leistungszuwachs für den Wettkampf. Bei Betrachtung der letztjährigen Leistungsdaten wird deutlich, dass es ab einer Höhe von 1500m zu einem Abfall in der Leistung kommt. Die Faktoren, die diese Leistungseinbußen maßgeblich beeinflussen sind einerseits genetischer Natur, andererseits kann eine gute Akklimatisation diesen Abfall in der Leistung minimieren.

Deshalb waren ab Mai 3 Einheiten am Glockner geplant.

  1. Einheit: 2×20‘ an der Schwelle mit 10‘ Pause und 2×8‘ von der Fuscher Lake zum Törl, um Intensitäten in der Höhe zu trainieren. Ziel der Session war herauszufinden, was möglich ist und wie sich die Höhe auf die Leistung auswirkt.
  2. Einheit: Ähnlich der Ersten waren es 2×20‘ mit 5‘ Pause und wieder 2×8‘ in der Höhe. Vor allem die Leistung bei den 2×8‘ konnte ich hier schon steigern.
  3. Einheit: Die Generalprobe. Am Dienstag vor dem Wettkampf galt es, den ausgearbeiteten Pacing Plan im Hinterkopf, zu schauen, ob dieser auch realistisch ist. Ich absolvierte 5×10‘ in den verschiedenen Abschnitten in der geplanten Wettkampfintensität unterbrochen von 3‘ Pause. Sollte dies relativ möglich sein, so müsste ich nur die Abschnitte am Sonntag nur „zusammensetzen“.

 Die Strategie

Auf Basis der gesammelten Daten aus den Trainings am Glocknerhatte ich mir folgende Pacing Strategie zurechtgelegt. Verglichen mit dem prozentuellen Leistungsabfall aus dem letzten Jahr, war diese Strategie sogar noch etwas konservativer. Die Basis dafür war jedoch eine optimistisch geschätzte Anhebung der FTP um 10W.

Tag X. – Die Analyse

Gleich zu Beginn: ein 5.Platz hinter klingenden Namen der Szene wie Steinkeller, Palzer, Obwaller und Ortner ist ein Ergebnis, das ich mir nie erwartet hätte und zeigt, dass die auf den Wettkampf abgestimmte Vorbereitung sich doch ausgezahlt hat.

Doch zu den Fakten. Bis auf den letzten Abschnitt ab 2155m konnte ich das geplante Pacing optimal durchziehen. Bis zur Mautstation waren es 300W und damit fast auf die Sekunde genauso schnell wie im Jahr zuvor. Letztes Jahr erwischte ich kurz vor dem Flachstück noch die Spitze. Dieses Mal musste ich diesen Abschnitt fast komplett ohne Hilfe hinter mich bringen. Dennoch 18 Sekunden Rückstand auf die Spitze hielten sich in Grenzen. Der nächste Abschnitt mit 295W war extrem motivierend. Ich konnte Platzierung um Platzierung gut fahren, während die Beine noch im „Wohlfühlmodus“ drehten. Im nächsten Abschnitt konnte ich dann schon den 5. Platzierten überholen und die Pace entsprach mit 291W genau dem Plan. Im Vergleich zum Vorjahr erreichte ich dann auch die Hälfte des Anstiegs 40 Sekunden früher.

Doch ab hier sollte nun das Leiden beginnen. Die Atmung wurde tiefer, schneller und unrhythmischer und auch die Laktatparty in den Beinen, die sich anfangs noch nach einer gemütlichen Grillfeier anfühlte, entwickelte sich langsam aber sicher zu einer Party in einer ausgewachsenen Großraumdisco.

Doch auch der Rennverlaufs wurde jetzt richtig interessant: auf dem 5. Platz liegend kam das Führungsauto und somit die 4-köpfigen Spitzengruppe in Sichtweite. Davon extrem angestachelt, versuchte ich nun alles herauszuquetschen, was die schon absolut am Limit agierenden Beine noch hergaben. Die Pace entsprach mit 285W wieder genau dem Plan und ich konnte die Lücke anfangs sogar wirklich etwas kleiner werden lassen.

Doch ab 2100m ü.M. zeigte mir der Glockner dann einfach meine Grenzen auf. Komplett am Limit konnte ich die Pace nicht mehr halten und die Leistung fiel auf 268W statt den geplanten 277W. Die Spitzengruppe, die in diesem Moment auch zerfiel, geriet damit außer Reichweite und ich konzentrierte mich darauf, nur noch irgendwie das Ziel zu erreichen. Verglichen mit dem letzten Jahr war der Einbruch (2 Watt weniger) scheinbar gar nicht so schlimm, dennoch büßte ich hier im Vergleich zur Spitze nochmal einiges an Zeit ein.

Dennoch, die letzten 500 Meter, die komplett mit anfeuernden Zuschauern gesäumt waren, ließen die Schmerzen der letzten Stunde dann doch kurzzeitig vergessen und machten die Zieleinfahrt auch dieses Jahr zu einem einzigartigen Erlebnis.

Der Blick auf die Ergebnisliste und die Auffahrtszeiten stimmt dann auch zuversichtlich. Abgesehen vom Sieger: Steinkeller hält sich der Zeitverlust zur Spitze absolut in Grenzen (Platz 4: +0:45; Platz 3: +0:51; Platz 2: +1:09 ). Den Großteil davon habe ich wohl im letzten Abschnitt kassiert.

 

Ergebnisse: https://services.datasport.com/2017/velo/glocknerkoenig/rang010.htm

Fazit und Ausblick:

Das erste Saisonziel ist damit absolut erreicht und es ist wirklich extrem motivierend wenn sich die investierte Arbeit am Ende komplett auszahlt. Auch möchte ich mich bei Debello bedanken, der mir kurzfristig noch ein paar echte Granaten von Laufräder zur Verfügung gestellt hat.

Der Juni wird nun Wettkampftechnisch richtig intensiv. Es warten ein paar richtig lange Radmarathons mit ordentlich Höhenmetern. Doch mit der aktuellen Form kann ich zufrieden sein und vielleicht springt ja noch zusätzlich das ein oder andere gute Resultat für mich heraus.

 

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.